Ernst Meister als Maler

In über drei Jahrzehnten hat Ernst Meister ein grafisches Werk geschaffen, das über 1000 Arbeiten auf Papier umfasst. Etwa 400 Blätter befinden sich als Dauerleihgabe der NRW-Stiftung im LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster.

Meisters Bilder sind keine Illustrationen seiner Gedichte, sondern ein eigenständiges künstlerisches Werk, dessen kunsthistorische Einordnung noch aussteht. Einzig eine große Ausstellung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) 2011 (und Teile davon in einer Ausstellung des Museums für Westfälische Literatur 2013) widmete sich bisher Ernst Meisters Bildern und publizierte einen kleinen Katalog mit interessanten Zugängen zum grafischen Werk des Lyrikers.

(Vgl.: Freese, Birgit, Kathrin Ehrlich und Alexandra Engelberts: Ernst Meister, der Lyriker als Maler: eine Ausstellung im LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte zum 100. Geburtstag von Ernst Meister [anlässlich der Ausstellung Ernst Meister. Der Lyriker als Maler zum 100. Geburtstag von Ernst Meister, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Westfälisches Landesmuseum, Münster 2.9. – 27.11.2011] Münster: LWL 2011)

„Malen und Schreiben gehören für mich zum Abenteuer des Lebens …“, sagte der Büchner-Preisträger. „Das Malen bedeutet den Umgang mit Farben, mit dem Stift; und das Substantielle daran ist natürlich der Entwurf, der aufgrund des ersten Einfalls entspringt. Und in diesem ersten Einfall, jetzt beim Malen sowie beim Schreiben, reizt es mich, einen ersten Strich zu machen.“

„Seine eigene künstlerische Handschrift bildete sich aus verschiedenen Einflüssen und Freundschaften mit anderen Malern wie etwa Hans Kaiser, Wilhelm Wessel und dem Hagener Emil Schumacher“, sagte Dr. Hermann Arnhold, Direktor des LWL-Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte in Münster, anlässlich der Eröffnung der o.g. Ausstellung 2011.

Die Formensprache der frühen Gouachen und Kreidezeichnungen aus den 1950er Jahren ist von Wassily Kandinsky, Paul Klee und Ernst Wilhelm Nay beeinflusst, während Meister sich in den 1960ern stilistisch am Informel orientierte. In den frühen 60ern schuf er abstrakte Werke mit meist zurückhaltender Farbgebung, wobei er die Materialästhetik der Bildträger geschickt nutzte – so in seinen raren Arbeiten auf Raufasertapete. Zum Ende der 1960er hin wird die Farbigkeit intensiver, die Kontraste stärker. 

In seinen Reisebildern (Meister reiste oft nach Südfrankreich, besuchte aber auch Italien, Spanien, Kroatien und Norwegen) taucht zuweilen ein Türkis Akzent gebend auf und verbreitet eine heitere Leichtigkeit, die sonst in Meisters Werk nur selten zu finden ist. 

Die kalligrafisch anmutenden Spätwerke aus den siebziger Jahren spielen mit ihren schwungvollen schwarzen Linien eine besondere Rolle innerhalb des Gesamtwerkes. Die Linien wirken zwar hastig auf das Blatt geworfen, geben aber eine Spannung wieder, die die schnelle Eingebung überhöht.

Manchmal erscheinen die Blätter wie Kinderzeichnungen. Reinhard Gundlach, ein Enkel Ernst Meisters, erzählt gerne, dass Meister seine helle Freude am künstlerischen Austausch mit seinen Kindern und Enkelkindern hatte, seine eigenen Blätter mit denen der Kinde(skinde)r vermischte und sich und Besucher augenzwinkernd fragte, welche Zeichnungen denn nun die gelungeneren seien.

(rb, 25.06.2020)

 

  1. Ernst Meister, ohne Titel, 1976, Pastellkreide auf Papier, Foto: LWL
  2. Ernst Meister, ohne Titel, 1970, Gouache auf Papier, Foto: LWL
  3. Ernst Meister, ohne Titel, 1977, Pastell auf Papier, Foto: LWL
  4. Ernst Meister, ohne Titel, o. J., Gou-ache, Tusche und Deckweiß auf Papier, Foto: LWL
  5. Ernst Meister, ohne Titel, o. J., Aquarell und Tusche auf Papier, Foto: LWL
  6. Ernst Meister, Selbstporträt, o. J., Pastell und Kohle auf Papier, Foto: LWL

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