Klaus Mann hebt 1932 die herausragende Begabung und die Eigenwilligkeit Meisters Erstlings „Ausstellung“ hervor. Angesichts der für die damalige junge Lyrik ungewöhnlichen, provozierenden Modernität einiger Gedichte wurde in der „Vossischen Zeitung“ gar von einem Versuch Meisters gesprochen, „eine Art Kandinsky-Lyrik zu begründen“ (Fritz Schwiefert).

Meister hat wohl auch diese literarischen Anfänge im Sinn, wenn er später „das waghalsige Spielen“ bloßer Modernität kritisiert, die der Sprache „die Schwerkraft nimmt“ und die nötige „Solidität“ nicht erreiche. Er insistiert darauf, dass der Sinn von Dichtung Erkenntnis und das „Zeigen“ von „Existenz im Ganzen des Wirklichen“ sei; ihm sind Denken und Dichten eins. 1971 nennt er die Zeit von „Ausstellung“ einen „spannungsvollen negativen Advent“.

Damit verdeutlicht sich die Kontinuität zwischen seinen Anfängen und dem längst selbstgewisser gewordenen Sprechen von der gemeinsamen, auf Verständigung angewiesenen und der Liebe bedürftigen „kosmischen Preisgegebenheit“. Der Blick hierauf und das Gespräch mit den Alten (von der Bibel bis zur literarischen Moderne) kennzeichnen Meisters Lyrik bereits in den 50er Jahren. In der folgenden Zeit schält sich immer deutlicher das Thema des Todes als Kern seiner Lyrik heraus: Als Grenze, auf die sich diese Gedichte zubewegen, mit der Gewissheit, dass sie mit Worten nicht zu erreichen, erst recht nicht zu überschreiten ist. Schon in den Bänden des Wiederanfangs, in denen sich noch lange, über mehrere Seiten gehende Gedichte finden, macht sich eine dann zunehmend radikaler werdende Tendenz zur Verknappung und epigrammatischen Zuspitzung bemerkbar, die an manche Wendungen Hölderlins denken lässt, Meisters wichtigster Gewährsmann neben Nietzsche. Die Gedichte der letzten zwei Sammlungen. „Im Zeitspalt“ (1976) und „Wandloser Raum“ (1979), sind lakonisch und gelassen, nahezu archaisch in ihrem Duktus.

(Leicht veränderte und orthographisch angepasste Passage aus: Lohr-Jasperneite, Andreas, „Meister, Ernst“ in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 724-725 [Online-Version]; URL: www.deutsche-biographie.de/pnd118747509.html#ndbcontent

 

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