Der Ernst Meister-Preis für Lyrik geht in diesem Jahr an die Lyrikerin Anja Utler,

wie die Jury am 18.3.2021 bekannt gab.

Zur Begründung führt die Jury aus:

„Das literarische Werk Anja Utlers, der 1973 im bayerischen Schwandorf geborenen und heute in Leipzig lebenden, vielfach ausgezeichneten Dichterin, Essayistin und Übersetzerin, ist durch eine große, von der theoretischen zur ästhetischen und poetischen Produktivität reichenden Spannbreite charakterisiert. Bereits ihr Lyrikband „münden – entzüngeln“ (2004) zeigt, dass Poesie für Anja Utler immer angesiedelt ist zwischen Schrift und Klang. Lyrik wird als Klangereignis erfahrbar gemacht, als eine Kraft, die das Denken und Fühlen von Autorin und Publikum poetisch ineinander verwebt. So wirkt sie in die Welt hinein. Nicht zuletzt deswegen liegen Ihre Gedichte nicht nur gedruckt, sondern auch als kunstvolle Audiotakes vor, nicht zuletzt deswegen liest sie ihre Dichtung nicht vor, sondern führt sie auf. Die Lyrik Anja Utlers steht zudem für eine ästhetisch gelungene Vermittlung von Poesie und Politik: „jana, vermacht“ (2009) etwa thematisiert das Schweigen der Nachkriegsgeneration indem das Verschwiegene im Dialog zwischen Großmutter und Enkelin im Verschluckten und Fragmentarischen des Sprechens sinnfällig gemacht wird; „kommen sehen“ (2020) verlagert die Frage der Überlieferung zwischen den Generationen in die lückendurchzogene, jede durchgängige Narration ad absurdum führende lyrische Analyse einer Welt nach der Klimakatastrophe.

Anja Utler, deren Arbeiten bislang in zwanzig Sprachen übersetzt wurden, ist zudem als brillante Übersetzerin (Anne Carson, Mila Haugová) Essayistin („Von den Knochen der Sanftheit. Behauptungen, Reden, Quergänge“, 2016) Prosaschreiberin („ausgeübt. Eine Kurskorrektur“, 2011) und wissenschaftliche Autorin („‘manchmal sehr mitreißend‘. Über die poetische Erfahrung gesprochener Gedichte“, 2016) hervorgetreten.“

Der Ernst Meister-Preis wurde 1981 zur Erinnerung an den Hagener Lyriker Ernst Meister gestiftet und wurde bisher in unregelmäßigen Abständen vergeben. Ab 2021 wird der Preis alle drei Jahre von der Neuen Ernst Meister-Gesellschaft für die Stadt Hagen ausgerichtet.

Der mit 5.000 Euro dotierte Preis zeichnet das Werk von Autorinnen und Autoren aus, welche die Verantwortung für Sprache und Poesie auf besondere Weise zum Ausdruck bringen.

Der Jury gehörten an:

  • Prof. Dr. Michael Niehaus, FernUniversität in Hagen
  • Prof. Dr. Armin Schäfer, Ruhr-Universität Bochum
  • Dr. Cornelia Epping-Jäger, Ruhr-Universität Bochum
  • Frank Schablewski, Dichter und Autor aus Aachen
  • Thomas Bleicher, M.A., Sprach- und Literaturwissenschaftler, Journalist.